All Eyez On Her - Tupac und die Frauen. Auf der Suche nach dem weiblichen Blick. Wie war das denn so? Mit Tupac und seiner Musik. Mit seiner Symbolkraft und einer Energie, die für zwei Leben gereicht hätte. Und wieso ist er so verdammt übermächtig und unvergessen?
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Tupac Amaru Shakur entstammt einem Kosmos, der uns beiden fremd ist. Gangsta Image, Label-Beef, California Love. Das verbinden wohl Nicht-Kenner wie wir mit einem Rapper, der seit fast 20 Jahren tot ist. Es ist dieser vorlaute, exzentrische Geltungsdrang, der unsererseits nie musikalisches Interesse aufkommen ließ. Erst das posthume Abfeiern seiner Person und seiner Werke in sozialen Medien im Jahr 2014 macht uns neugierig.
Wir sehen das Foto einer Bekannten. Sie steht in ihrem Zimmer, ein Tupac-Poster im Hintergrund, eine Vase mit Rosen. Und wir denken an einen Altar. Sie zitiert regelmäßig Textausschnitte, die wir nicht kennen, die aber gar nicht „gangsta“ wirken, eher wie sanfte und nachdenkliche Gedichte eines Poeten. Das hat etwas Mantrisches.
Wir wollen wissen, warum die Frau einem Rapper aus der vergangenen goldenen Ära des HipHop gedenkt. Wir wollen wissen, warum sie als Frau eine Figur aus einem vordergründig sexistischen Milieu verehrt. Und wir wollen wissen, ob es noch mehr Frauen gibt, die Tupacs Erbe auf ähnliche Weise weitertragen.

 

Mila

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“Tupac zu hören mag ein Klischee sein. Und doch gehen die Kenntnisse vieler heutzutage nicht weiter hinaus als California love und Hit em up.”

 

Berna

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“Er war gebildet und politisch. Das unterschied ihn von anderen Rappern und machte ihn zur Zielscheibe seiner Feinde.”

 

Jany

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“Ich war verliebt in Tupac, weil er ein Rebell und ein Freigeist war. Und weil er sein Ding durchgezogen hat – ohne Rücksicht auf Verluste.”

 

Berna

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Damals wurden soziale Probleme verschwiegen und in die Ghettos verlagert. Dann kam er und erzählte davon. Die Folge war eine Art Antipropaganda: seine politischen Feinde haben öffentlich seine CDs zerstört.”

 

Mila

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“Er rappt über Dinge, mit denen sich jeder von uns früher oder später im Leben auseinandersetzen muss: Liebe, Depression, Sex, Ehrgeiz und Einsamkeit.”

 

Mila

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“Tupac wurde gerne als Gewalt propagierender Gangster dargestellt, für den die Frauen nur Bitches, Sluts und Hoes sind.”

 

Berna

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“Die Vergewaltigungsvorwürfe habe ich angezweifelt. In Interviews hat er immer betont, mehr Bezug zum weiblichen Geschlecht zu haben. Er ist praktisch mit Frauen aufgewachsen.”

 

Mila

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“Tupacs Musik ist ein Reminder dafür, dass sich in den letzten 20 Jahren nicht viel verändert hat: Ungerechtigkeit, Ungleichheit, Rassismus, Armut und Hunger sind Themen, die heute nicht weniger relevant sind. Leider.”

 

Berna

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“Ich glaube, er wurde ermordet, weil er erfolgreich und politisch war.”

 

Mila

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Tupac hätte viel für die schwarze Community erreicht, wäre er nicht gestorben.”

 

Jany

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“Diejenigen, die authentisch sind, haben seine Message erhalten – trotz seines Thug-Life-Images.”

 

Berna

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“In seinen Augen sehe ich, dass er kein schlechter Mensch war. Er war einfach nur sehr ehrlich.”

 

Berna

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“Wenn Tupac rappt, höre ich sein Lachen und seine Traurigkeit. Das ist selten im Rap.”

 

Jany

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“Mein Sohn heißt mit zweitem Namen Amaru – wie Tupac. Ich wollte ihm damit Tupacs Authentizität, Stärke und Willenskraft mit auf den Weg geben. Und seine Realness. Amaru war ursprünglich ein bedeutender Inka der vorspanischen Zeit in Peru.”

 

Berna

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“Manche Leute spüren, dass sie sterben werden. Tupac hatte zum Schluss diesen Blick und fühlte sich zunehmend gejagt.”

 

Jany

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Wir sind beide ohne Vater aufgewachsen. Ich wusste: er hat auch diese Verletzbarkeit, diesen Schmerz. Obwohl ich ihn nicht kannte, fühlte ich mich ihm verbunden.”

 

Mila

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“Der Umgang mit Tupac verdeutlicht auf klassische Weise unser schwarz-weiß-malerisches Schubladendenken. Meist sind es Vorurteile, die uns daran hindern zu akzeptieren, dass jeder Mensch komplexer ist als sein mediales Bild.”

 

Jany

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“Für mich war Tupac ein Engel. Er hat Reden vor Jugendlichen gehalten und sie dazu aufgefordert, die Bandenkriege zu beenden.”

 

Jany

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“In meinen dunklen Zeiten hat er mich therapiert. Ich habe zu seinen Songs geweint und geschrieben. Es hat sich angefühlt als wäre er ein guter Freund oder mein großer Bruder.”

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Lize Alpaslan & Michael Weyrich

Als Tupac Shakur die Köpfe zum Nicken bringt, besuchen Michael Weyrich und Lize Alpaslan (beide Jahrgang 1979) gemeinsam die Schule und streiten sich darüber, welches das beste Radiohead-Album ist. Im Jahr 2014 tauschen sie musikalische Entdeckungen aus und fragen sich, was die anderen so hören. Und warum. Die Fotografie mögen sie auch sehr gern.

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